Distanzritte

 

Nina mit Araberle beim Distanzritt 2003

9. Mainhardter Wald Distanzritt

Am Samstag, 1.-3. Juli 2011 findet der 9. Mainhardter Wald Distanzritt und Distanzfahrten über 32, 64, 82 und 96 km statt. 

Bitte melden Sie sich bei Simone Greitzke unter Tel. 07903 / 35 45 oder simone.greitzke@gmx.de an.

 


Jungfernfahrt Mainhardter Wald

Was erwartet einen Veranstalter und einen Distanzfahrneuling? Nicht so weit von Zuhause wollte ich es mit meiner bisher als Distanzreitpferd erprobten Penthi probieren. EFF 30 km im Muschterländle. Als erste auf der in Claims abgesteckten Wiese wurde ich empfangen, eingewiesen und sofort als Nichtschwäbin geortet. Das Wiesenstück war groß und anscheinend lecker. Für die Menschen standen in der Mehrzweckhalle nebenan nagelneue Toiletten und Duschen zur Verfügung.  

Am Abend erfolgte eine unnachahmlich witzige Vorbesprechung, ein humoristisches Highlight (Zitat Kathrin): „Wer 60 km reitet, brauch ´s Gäule unds Häsle zweimol. Wer 80 reitet, brauchet no zweimol s Hundle. Wer’ s ned hat ... tja ...der isch net daboi“ (die Stempel der Kontrollpunkte).  

Für die Fahrer wurde extra in der Dämmerung noch eine Begehung des Zieleinlaufs gemacht. Durch den dichten Wald lotsten uns weiße kurze Pfosten als Markierung. Die Überraschung war dann ein hoher steiler Wall, der in ein ausgetrocknetes, grobschottriges Bachbett führte, danach ins Dickicht mit Brennnesseln bergauf um die Ecke. Als Alternative wurde noch die Straße angeboten. Ich war schon recht sprachlos über diese Geländegegebenheit. Aber die erfahrenen Fahrer sahen das ganz locker: „Ach, des schaffe mer scho.“ – Na, dann werde ich mich anpassen.

Am nächsten Morgen wusste Penthi schon, was angesagt war, als ihr Sulky vorfuhr. Der Start war nicht gerade fliegend, mussten wir durch ein sehr enges Stück zwischen Kompost und Baum und gleich einen Bogen, weil der Platz zwischen den nächsten Bäumen nicht reichte. Danach ging es noch einige km – für mich ganz ungewohnt kurvig und anstrengend da hinten ohne gute Sicht – etwas „unrund“ bis wir uns auf sacht geschwungenen Strecken etwas entspannen konnten. Die Markierungen waren wirklich gut und sicher. Sehr hilfreich für Fahrer waren auch die häufigen Kalkbestätigungen auf langer gerader Strecke („ich habe nichts übersehen, hier ist ein Kalkpunkt!“). Es ging „nuff und nunder“, aber auch für Fahrpferde gut zu schaffen. Die wenigen steilen Abstiege habe ich geführt. Nach der Pause ging es wunderschöne schattige Wege durch den Wald, auf denen man fleißig vorwärts traben konnte. Die Markierungssuche fiel mir immer leichter, die Anspannung und permanente Aufmerksamkeit wich gelegentlichem Genuss der Landschaft. Als Fahrer kann man nicht so viel „Häusle und Bergle gucken“, man ist mit rechtzeitiger Sicht nach Markierungen beschäftigt.  

Unser Zieleinlauf war wieder „etwas holperig“ zwischen Bäumen und Kompostecke durchgeruckelt. Es stand eine große Wanne mit frischem Wasser bereit, der Tierarzt hatte genug Zeit und mein Tross war auch rechtzeitig da. Viele Vereinsmitglieder vergewisserten sich, ob ich auch gut durchgekommen bin, ob die Strecke ok sei und nicht zu schwierig, ob wir den Baumstamm gemeistert hätten. Auch als Distanz-Fahranfänger muss ich mit einem 20-cm-Stämmchen klar kommen, das quer über den Weg liegt. Daran wächst man auch als Pferd-Fahrer-Team. 

Überhaupt die Tierärzte: alle drei waren supergeduldig und freundlich. Doc Seidensticker forderte immer wieder nett zum „jetzt wenden und zurück auch wieder traben“ auf. Außerdem waren seine Kommentare zu ungewöhnlichen „Dingen“ an Pferden zum Kringeln: „Was hat der denn hier?“ ... Erklärung der Besitzerin „ ... und wir wollen ihn ja auch nicht verkaufen ...“ – „Ach das ist ein Extra, das bekommt man kostenlos dazu!“

Es gab keine langen Wartezeiten, Schatten und nette Gespräche. Die Siegerehrung war gemütlich, die Ehrenpreise stattlich und gut zu gebrauchen. Bemerkenswert die Plaketten: groß und auffällig mit dem schönen Symbol des Pegasus aus dem Emblem der Pferdefreunde Geißelhardt. Jede Strecke hat ihre eigene Plakette – wo findet man das schon den Aufdruck „30 km Einführungsfahrt“, wenn es noch fünf andere Strecken gab, die ebenfalls individuelle Aufdrucke haben? Ein Pony sollte hier extra erwähnt werden: Bandit, gefahren von Katharina Schäfer, bewältigte die 30-km-Fahrt in LK III. Er war der Star unter den Teilnehmern mit gerade mal 83 cm Stockmaß. Mit echten 4 kleinen Eisen an den Hufen verlor er auf der Strecke anscheinend kein einziges seiner Ponykilos und präsentierte sich munter wiehernd und eifrig trabend beim Tierarzt, der die NU in der Hocke abnahm. 

Fazit für diese Veranstaltung ist, dass es eine besonders liebevoll betreute ist und die Pferdefreunde Geißelhardt ihren Namen zu Recht tragen. Alles wird gut, wenn Veranstalter lern- und kritikfähig sind. Die Meldestelle braucht sich nicht zu entschuldigen, dass mal was lange dauert, oder nicht umgehend zur Verfügung steht. Sie hatten alles gut im Griff, waren flexibel und immer nett. Der Veranstalter war gut gelaunt und schien immer für einzelne Probleme endlos Zeit zu haben, immer freundlich und mit einem Scherz auf den Lippen. Die Gourmets unter den Teilnehmern bejubeln das gute Frühstück mit Kuchen, selbstgemachter Marmelade, Eiern und was man sonst so als Sportler braucht. Das gute Wetter bescherte gutes bis akzeptables Geläuf, aber auch bei Regen gab es keine besonders langen Strecken, die man vorsichtig im Schritt überwinden musste. Die Steigungen waren teilweise schon beachtlich und haben die Pferde erschöpft – aber es war klar, dass wir nicht in der Ebene starten.  

Mein Pferd und ich hatten Gelegenheit, unglaublich viel zu lernen und Vertrauen aufzubauen auf dieser Fahrt. Wenn möglich, starten wir nächstes Jahr wieder in Schwaben und gucken, ob die Fassaden der Häuser immer noch so sauber sind. Dann frage ich mich wieder: Gibt es zwischen Wüstenrot und Schwäbisch Hall die Fassadenfarbe kostenlos?

 

Christiane Schiele mit „Schwäbelhilfe“ von Kathrin Debusmann

 

 


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Stand: 21. März 2011